Eierleset in Effingen

Alte Tradition mit skurrilen Gestalten

Hobelspäner und Schnäggehüsler
Acht Tage nach Ostern, am „wisse Sundig“, lebt in Effingen für einige Stunden das alte Brauchtum des Eierlesens auf. Diese Tradition wird in Effingen seit Menschengedenken – wenn auch mit Unterbrüchen – an diesem Frühlingssonntag durchgeführt. Seit 1928 zeichnet sich der Turnverein für die Pflege dieses Brauchs verantwortlich. Der als Wettlauf gestaltete Streit zwischen dem weissgekleideten Winter zu Pferde und dem behenden Frühling als Läufer wird vom Treiben urweltlich maskierter Wesen begleitet. Es handelt sich dabei um ein buntes Gemisch von Natur- und Waldgeistern sowie von Figuren menschlicher Gestalt, wie zum Beispiel Straumuni, der Hobelspänler oder der Schnäggehüsler. Die bunte Schar wird begleitet von den Vertretern der öffentlichen Ordnung und Moral – dem Eierpolizischt und dem Eierpfarrer. Hinter den Masken dieser skurrilen Gestalten stecken junge Turner. Die Frauen sind für das Nähen und Instandstellen der Kostüme verantwortlich.

 

Der Wettkampf

Der Winter reitet im Galopp
Am Sonntagmorgen sind etliche Turner schon frühzeitig auf den Beinen, um den Eierlauf vorzubereiten. Auf einer geraden, etwa hundert Meter langen Strecke der Dorfstrasse werden in Abständen von einem Meter paarweise Sägemehlhäufchen angelegt und mit Eiern bestückt. Der Eierpfarrer eröffnet den Eierwettlauf. Im Galopp sprengt der Reiter zum Dorf hinaus. Er muss durch die vier Nachbardörfer reiten und im letzten in der Dorfwirtschaft einen Trunk zu sich nehmen. Erst dann darf er nach Effingen zurückkehren. Unterdessen rennt der Läufer zwischen den Eierreihen das Dorf hinauf, hebt eines der beiden letzten Eier auf, eilt zur Wanne zurück und wirft es aus kurzer Distanz hinein. So rennt er hin und her, wobei die Strecke immer kürzer wird. Gleichzeitig toben die Unholde die Strasse auf und ab. Die Rückkehr des Reiters wird vom Publikum freudig zur Kenntnis genommen. Eine geschickte Regie im Hintergrund sorgt dafür, dass der Reiter einige Minuten zu spät eintrifft. Versöhnt reichten sich die beiden Gegner die Hand. Der Winter muss seine Niederlage anerkennen, der Frühling kann den endgültigen Sieg feier. Anschliessend folgt die Eierpredigt des Eierpfarrers und der urchige Eiertätsch in den Dorfwirtschaften.